Sachverständige Autounfall

Sie befinden sich hier:   Home Autounfall - Tipps zu... Sachverständige

Sachverständige

Die Kosten für einen Sachverständigen muss die Versicherung des Gegners des Autounfalls zahlen, wenn einen an dem Autounfall kein Verschulden trifft und der Unfallschaden, der kein Bagatellschaden ist, den Betrag von 715 EUR netto übersteigt. Ein Sachverständiger sollte immer dann eingeschaltet werden, damit man nicht Gefahr läuft, einen zu geringen Geldbetrag von der Versicherung zu erhalten. Der Geschädigte hat nach einem Autounfall die freie Wahl des Sachverständigen. In keinem Fall sollte man nach einem unverschuldeten Autounfall den Sachverständigen, den die Versicherung der Gegenseite beauftragen will, akzeptieren. Hierzu ist man in keiner Wiese verpflichtet! Vorsicht ist auch geboten, wenn man den Unfallschaden nach einem Kostenvoranschlag abrechnen will.

Der unabhängige Sachverständige benötigt für die Schadenaufnahme in der Regel nicht einmal eine Stunde. Der Sachverständige sieht sich das verunfallte Fahrzeug genau an, nimmt die Schäden auf und fertigt Fotos an. Im nächsten Schritt werden unter Zuhilfenahme von spezieller Software die Kosten der Reparatur, Wiederbeschaffungswert (der Wert des Fahrzeuges vor dem Unfall) und Restwert (der Wert des Fahrzeugs nach dem Unfall) ermittelt. Eine Besichtigung ist je nach Beschädigungsgrad im Idealfalle in einer Werkstatt mit Hebebühne vorzunehmen. Auch kann hier eine Teildemonatge des Fahrzeugs vorgenommen werden, sofern dies erforderlich sein sollte. Das von dem Sachverständigen erstellte Gutachten wird von dem Sachverständigen bei Bedarf meist papierlos an den Rechtsanwalt des Geschädigten versendet. So wird die Abwicklung des Autounfalls beschleunigt, da Postlaufzeiten ausgeschaltet werden.

In der Regel möchte der Sachverständige von dem Geschädigten eine Abtretungserklärung unterzeichnet haben. Dies erlaubt der Versicherung des Unfallverursachers, die Kosten für die Erstellung des Gutachtens direkt an den Sachverständigen zu zahlen. Oft kommt es vor, dass die Versicherung des Unfallverursachers (insbesondere die HUK-Coburg) die Kosten für die Erstellung des Gutachtens unrechtmäßig kürzt. Dann sollte der Geschädigte den Differenzbetrag an den Sachverständigen zahlen und die Versicherung verklagen.

Auszugsweise dürfen wir nachfolgend aus der vorgenannten BGH-Entscheidung (Urteil vom 30.11.2004, AZ: VI ZR 365/03) zitieren, die bestätigt hat, dass bei Schäden über 715,00 € ein Sachverständiger eingeschaltet werden darf und die Kosten hierfür stets durch den gegnerischen Versicherer zu übernehmen sind:

„5. Die Revision bleibt auch insoweit ohne Erfolg, als sie sich gegen die Zuerkennung der Sachverständigenkosten wendet.

a) Die Kosten eines Sachverständigengutachtens gehören zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und gemäß § 249 Abs. 1 BGB (n.F.) auszugleichenden Vermögensnachteilen, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlich und zweckmäßig ist (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 1988 - X ZR 112/87 - NJW-RR 1989, 953, 956). Ebenso können diese Kosten zu dem nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB (n.F.) erforderlichen Herstellungsaufwand gehören, wenn eine vorherige Begutachtung zur tatsächlichen Durchführung der Wiederherstellung erforderlich und zweckmäßig ist (vgl. Senatsurteil vom 6. November 1973 - VI ZR 27/73 - VersR 1974, 90, insoweit in BGHZ 61, 346 nicht abgedruckt).

b) Für die Frage der Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit einer solchen Begutachtung ist auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung abzustellen (vgl. zur Beauftragung eines Rechtsanwalts Senatsurteil vom 8. November 1994 - VI ZR 3/94 - NJW 1995, 446, 447). Demnach kommt es darauf an, ob ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter nach seinen Erkenntnissen und Möglichkeiten die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten erachten durfte (vgl. Senatsurteile BGHZ 54, 82, 85 und 61, 346, 349 f.; Geigel/Rixecker, Der Haftpflichtprozeß, 24. Aufl., 3. Kap., Rn. 111). Diese Voraussetzungen sind zwar der Schadensminderungspflicht aus § 254 Abs. 2 BGB verwandt. Gleichwohl ergeben sie sich bereits aus § 249 BGB, so daß die Darlegungs- und Beweislast hierfür beim Geschädigten liegt (vgl. Senatsurteil BGHZ 61, 346, 351; Baumgärtel/Strieder, 2. Aufl., § 249 BGB, Rn. 7).

Für die Frage, ob der Schädiger die Kosten eines Gutachtens zu ersetzen hat, ist entgegen der Auffassung der Revision nicht allein darauf abzustellen, ob die durch die Begutachtung ermittelte Schadenshöhe einen bestimmten Betrag überschreitet oder in einem bestimmten Verhältnis zu den Sachverständigenkosten steht, denn zum Zeitpunkt der Beauftragung des Gutachters ist dem Geschädigten diese Höhe gerade nicht bekannt. Allerdings kann der später ermittelte Schadensumfang im Rahmen tatrichterlicher Würdigung nach § 287 ZPO oft ein Gesichtspunkt für die Beurteilung sein, ob eine Begutachtung tatsächlich erforderlich war oder ob nicht möglicherweise andere, kostengünstigere Schätzungen - wie beispielsweise ein Kostenvoranschlag eines Reparaturbetriebs - ausgereicht hätten (vgl. Wortmann, VersR 1998, 1204 f.).

c) Die Auffassung des Berufungsgerichts, die Beauftragung eines Sachverständigen sei erforderlich gewesen, weil der Schaden im Streitfall mehr als 1.400 DM (715,81 €) betragen habe und es sich deshalb nicht um einen Bagatellschaden gehandelt habe, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Der Betrag liegt in dem Bereich, in dem nach allgemeiner Meinung die Bagatellschadensgrenze anzusiedeln ist. [...]“

 

© Momberger & Niersbach Rechtsanwälte