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Der Geschädigte nach einem Autounfall hat die frei Wahl der Werkstatt, die dem ihm schuldlos zugefügten Schaden beheben soll. In keinem Fall sollte sich der durch einen Autounfall Geschädigte an eine Werkstatt der Versicherung der Gegenseite verweisen lassen! Versicherer wollen Gewinne machen und haben Abkommen mit Werkstätten, so dass diese dort weniger bezahlen müssen. So fern der Geschädigte in "seiner" Werkstatt reparieren lassen will, ist das sein gutes Recht!

Im Idealfalle besitzt die ausgewählte Werkstatt eine Karosserieabteilung und eine eigene Lackiererei. Dann ist gewährleistet, dass das Fahrzeug nicht erst von einer Werkstatt in die nächste Werkstatt verbracht werden muss. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, führt dies - wenn überhaupt - nur zu kurzen Verzögerungen bei der Reparatur. Die so genannten Verbringungskosten und auch diese Verzögerung muss dem Geschädigten von der Versicherung des Unfallverursachers erstattet werden.

Der Geschädigte sollte in jedem Fall eine markengebundene Fachwerkstatt auswählen, wenn sein Fahrzeug nach dem Autounfall noch keine drei Jahre alt ist. Auch wenn der Geschädigte den Autounfall fiktiv abrechnet, steht ihm bei einem bis zu drei Jahre alten Fahrzeug die Erstattung dieser fiktiven Reparaturkosten einer markengebundenen Fachwerkstatt zu (BGH Urteil vom 20. Oktober 2009 – VI ZR 53/09). In einer neuen Entscheidung des Bundesgerichtshofs zur Höhe der Stundensätze im Rahmen der Reparaturkostenabrechnung nach einem Verkehrsunfall wurde dies entschieden.

Selbst wenn das Fahrzeug älter als drei Jahre ist, stehen dem Geschädigten die Stundesätze einer markengebundenen Fachwerkstatt zu, wenn  die ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger als Wert auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat. Will der Schädiger den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht im Sinne des § 254 Abs. 2 BGB auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen "freien Fachwerkstatt" verweisen, muss der Schädiger darlegen und ggf. beweisen, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht.

Ist dies der Fall, kann es für den Geschädigten gleichwohl unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht unzumutbar sein, sich auf eine Reparaturmöglichkeit in dieser Werkstatt verweisen zu lassen. Dies gilt insbesondere für Fahrzeuge bis zum Alter von 3 Jahren. Denn bei neuen bzw. neuwertigen Kraftfahrzeugen muss sich der Geschädigte im Rahmen der Schadensabrechnung grundsätzlich nicht auf andere Reparaturmöglichkeiten verweisen lassen, die ihm bei einer späteren Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten, einer Herstellergarantie und/oder Kulanzleistungen Schwierigkeiten bereiten könnten.

Auch bei älteren Kraftfahrzeugen kann es für den Geschädigten unzumutbar sein, sich im Rahmen der Schadensabrechnung auf eine alternative Reparaturmöglichkeit außerhalb einer markengebundenen Fachwerkstatt verweisen zu lassen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Geschädigte konkret darlegt, dass er sein Kraftfahrzeug bisher stets in der markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen oder sein besonderes Interesse an einer solchen Reparatur durch eine konkrete Reparaturrechnung belegt.

 

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