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fiktive Abrechnung

Dem Geschädigten bleibt es überlassen, wie er mit dem Schadensbetrag, den die Versicherung zu zahlen hat, verfährt. Eine fiktive Abrechnung ist grundsätzlich möglich! Die Versicherung darf den Geschädigten nicht darauf verweisen, dass er nicht fiktiv abrechnen dürfe.

Ein Unfallgeschädigter kann (fiktiv) die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten bis zur Höhe des Wiederbeschaffungswerts in der Regel nur abrechnen, wenn er das Fahrzeug mindestens sechs Monate weiternutzt und zu diesem Zweck - falls erforderlich - verkehrssicher (teil-) reparieren lässt (BGH, Urteil vom 29. April 2008 - VI ZR 220/07). 

Bei fiktiver Abrechnung hat der Geschädigte Anspruch auf Erstattung der netto - Reparaturkosten, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigen. Der Wiederbeschaffungswert ist der Wert, den das Fahrzeug vor dem Autounfall hatte. Ein Sachverständiger ermittelt diesen und er steht in dem Gutachten.

Der Geschädigte muss bei fiktiver Abrechnung das Fahrzeug sechs Monate nach dem Autounfall weiter nutzen. Einfach nur in der Garage abstellen dürfte wohl nicht reichen. Will man in den Genuss der fiktiven Abrechnung kommen, sollte das Fahrzeug auch sechs Monate zugelassen sein. Es gibt Gründe, wieso diese sechs Monate nicht eingehalten werden brauchen. So ist es einem Geschädigten, der fiktiv abrechnen will, kaum zuzumuten, z. B. den Zweisitzer weiter nutzen zu müssen, obschon er Familienzuwachs erhalten hat.

Verkauft der Geschädigte das Fahrzeug nach einem Autounfall bei fiktiver Abrechnung aber ohne Anlass innerhalb der sechs Monate, realisiert er dadurch den Restwert. Der Restwert ist der Wert, den das Fahrzeug nach dem Autounfall hat. Auch dieser ist in der Regel dem Gutachten des Sachverständigen zu entnehmen. Bei einer Realisierung des Restwerts erhält der Geschädigte bei fiktiver Abrechnung nur den Wiederbeschaffungsaufwand. Dieser errechnet sich: Wiederbeschaffungswert - Restwert.

Bei fiktiver Abrechnung erhält der Geschädigte den Netto - Betrag (§ 249 BGB). Führt er aber eine Teilreparatur durch, z. B. um die Verkehrssicherheit wieder herzustellen, so ist auch der Mehrwertsteuerbetrag aus dieser Rechnung zu erstatten. Den Nachweis darüber, dass das Fahrzeug nach dem Autounfall wieder verkehrssicher ist, kann der Geschädigte durch eine Bestätigung seines Sachverständigen erbringen.

Prüfen Sie genau, was Ihnen die Versicherung bei fiktiver Abrechnung zahlen muss!

Oft kommt es vor, dass verschieden Positionen aus dem Gutachten des Sachverständigen bei fiktiver Abrechnung durch die Versicherung zu Unrecht gestrichen werden. Auch bei fiktiver Abrechnung sind aber UPE-Aufschläge und Verbringungskosten zu erstatten! Sie unter UPE-Aufschläge und Verbringungskosten.

Oft versuchen Versicherungen, den Geschädigten bei fiktiver Abrechnung auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen "freien Fachwerkstatt" zu verweisen. Dann muss die Versicherung aber darlegen und ggf. beweisen, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht.

Der Geschädigte braucht sich auch nicht bei fiktiver Abrechnung auf diese "freien Werkstätten" verweisen lassen, wenn sein Fahrzeug bis zu 3 Jahren alt ist. Denn bei neuen bzw. neuwertigen Kraftfahrzeugen muss sich der Geschädigte im Rahmen der Schadensabrechnung grundsätzlich nicht auf andere Reparaturmöglichkeiten verweisen lassen - auch nicht bei fiktiver Abrechnung -, die ihm bei einer späteren Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten, einer Herstellergarantie und / oder Kulanzleistungen Schwierigkeiten bereiten könnten.

Aber auch bei älteren Fahrzeugen braucht der Geschädigte sich nicht auf die Stundensätze der Versicherung verweisen lassen, wenn der Geschädigte konkret darlegt, dass er sein Kraftfahrzeug bisher stets in der markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen oder sein besonderes Interesse an einer solchen Reparatur durch eine konkrete Reparaturrechnung belegt. Dies gilt insbesondere auch bei einer fiktiven Abrechnung.

Lassen Sie sich den Ihnen bei fiktiver Abrechnung zustehenden Betrag von der Versicherung nicht zusammenstreichen! Schalten Sie einen Rechtsanwalt ein! Haben Sie den Verkehrsunfall nicht verschuldet, erstattet die Versicherung der Gegenseite den Rechtsanwalt für Sie!

Jedes Jahr sparen die Versicherungen so auf Kosten des Geschädigten mindesten einen dreistelligen Millionenbetrag ein! Lassen Sie sich nicht gefallen, dass man Ihre fiktive Abrechnung rechtswidrig kürzt. 

 

© Momberger & Niersbach Rechtsanwälte